European 5000: 10 Länder in 12 Tagen

Ein Erfahrungsbericht zur Superlative Adventure Club Rallye. 5000km in Old- und Youngtimern durch das alte Europa ohne Navi und Autobahn. Vom Meeresspiegel auf über 3000 Meter Höhe. Von -5 bis +35 Grad und von Badebuchse zu Winterjacke. Abgelegene Pfade entlang schneebedeckter Berggipfel und der staubigen Wüste Spaniens, begleitet von der türkisfarbenen Brandung ist diese Rallye vor allem eins: Einzigartig!

Mitten in der Halbzeit der 10 monatigen Planungen rund um die European 5000 Rallye 2017 schwankte meine Laune irgendwo zwischen "scheisse, was haben wir die letzten fünf Monate eigentlich gemacht?" und "das wird einfach nur geil und unvergessen!". Wir hatten zu diesem Zeitpunkt immer noch kein Auto und auch keine Sponsoren, aber immerhin ungebrochene Euphorie sowie ein Instagram-Account, der pure Zeit verschluckte.

Aber der Reihe nach. Es war im Dezember 2016 als sich Clemens, Stefan und ich für die European 5000 Rallye anmeldeten und damit gute 10 Monate Organisation und Vorfreude ins rollen brachten. Die European 5000 ist eine Rallye des Hamburger Veranstalters SAC, der zusätzlich auch Abenteuer wie das Baltic Sea Circle, Knights Of The Island oder Balkan Express organisiert.
Im Mittelpunkt steht immer ein Roadtrip mit einem Young- oder Oldtimer, einem Ehrenkodex im Sinne von "keine Autobahn, keine Navigationsgeräte" und der Absicht durch Spendenaktionen eines jeden Teams Projekte zu unterstützen die einem selbst als auch dem Rallye-Veranstalter am Herzen liegen.
Die Route ist bis zur Startzeit gänzlich unbekannt und hier kommt auch schon das Salz in die Suppe: Zum Start erhält jedes Team ein Roadbook mit Routenempfehlungen, Hinweisen zu den jeweiligen Ländern, Sehenswürdigkeiten entlang der Route und Aufgaben. Richtig, Aufgaben. Diese sind zwar optional und keine Pflicht, können das Abenteuer jedoch noch mal eine ganze Ecke spannender machen. Und zusätzlich winken den Gewinnern ein kostenloser Startplatz für eine Rallye im nächsten Jahr. Bei einer Teilnehmergebühr von 1100 Euro für ein 3-Personen-Team kein schlechter Anreiz.

Mit einem übersichtlichen Budget von 1200 Euro kauften wir endlich im Juli unser lang angepeiltes Lieblingsmodell: Den BMW E34 Touring. Shadowline, 150 PS, Panoramaschiebedach und eine mehr als eigenwillige Elektronik. In der Heckklappe tat sich fast gar nichts, die Zentralverriegelung führte ihr eigenes Leben, die Spur war verstellt und alles über 50km/h fühlte sich nicht ganz so sicher an. Aber wir haben uns nicht entmutigen lassen, den Wagen gereinigt, repariert und einiges an Kohle und Zeit investiert.

In den Sommermonaten fanden wir dann auch die ersten Sponsoren, die uns unterstützen wollten, haben ein Gewinnspiel veranstaltet und bei Familien und Freunden ordentlich die Werbetrommel gerührt um Spenden für den Trip und die Charity-Projekte zu sammeln, denen wir uns verschrieben hatten.
Was sich aber im Nachhinein so problemlos und zusammengefasst liest war mehr Arbeit als wir drei uns an den Abenden in den Kneipen Hannovers hätten vorstellen können. Bei der Sponsorensuche sind wir auf viel Ablehnung gestoßen, das Erscheinungsbild und die Interaktion auf Webseite, Facebook und Instagram erschwerte das Arbeiten im Hauptberuf noch zusätzlich und der Fakt, dass wir in Bonn und Hannover wohnten, das Auto jedoch irgendwo dazwischen in Ostwestfalen stand, verzögerte so manchen Organisationspunkt wesentlich heraus.
Der Autokauf, Texte schreiben für die Sponsoren, Kommunikation mit Interessenten, Grafiken entwerfen, Online-Auftritte prorgrammieren und pflegen, Aufkleber fürs Auto entwerfen und drucken, Kram für den Trip kaufen, das Auto reparieren... für SAC-Rallye-Interessierte sei gesagt: Plant genug Zeit ein.

Start: München, Augustiner Schützengarten

Fast wären wir zu spät gekommen! Natürlich musste am Vorabend der Abfahrt nach München die Wasserpumpe ihren Geist aufgeben. Alles war gepackt, die Vorfreude irgendwo im Bereich „Außerirdisch“ und dann sowas: Das Kühlwasser floss nur so aus dem Block heraus.
Also erstmal in die örtliche Kneipe zur Krisensitzung. Glücklicherweise konnte uns die Bosch Werkstatt in Warburg am nächsten Morgen direkt aushelfen und so starteten wir mit nur wenig Verzögerung Richtung München.

Am Samstag Morgen erhielten wir dann im Augustiner Schützengarten auch schon unser Roadbook ausgehändigt, konnten die anderen Teilnehmer und ihre Schlachtrösser begutachten und bekamen noch eine Rede zum Auftakt mit auf den Weg. Frei nach dem Motto: Das ist eure Rallye, macht euch einfach eine geile Zeit!

Tag 2: Italien und die erste gemeinsame Party

Nach einem langen ersten Tag und den ersten Aufgaben in Österreich verbrachten wir die Nacht auf dem Stilfserjoch in 2754m Höhe.
Und bereits am nächsten Morgen erwartete uns noch vor dem Frühstück die erste große Überraschung: Schnee! In Kombination mit Heckantrieb und Sommerreifen natürlich genau das richtige Abenteuer! Also ging es im Schneckentempo bergab und von dort munter durch Norditalien, wo wir als Tagesaufgabe ein Landhaus in der Region Piemont finden mussten.
Hier erwartete uns dann bereits das erste Treffen mit allen Teilnehmern der Rallye. Hinter dem idyllisch gelegenem Landhaus gab es ein weitreichendes Anwesen, auf dem jeder sein Zelt nach Belieben aufschlagen durfte. Mit einem italienischen Drei-Gänge-Menü hätten wir auf der Rallye zwar als allerletztes gerechnet, aber es passte hervorragend ins Ambiente und war eine willkommene Abwechslung zu dem eher ungesunden Essen on the road.

Tag 3: Italien und die Französischen Alpen

8 Uhr morgens. Wir quälten uns aus dem Zelt, durch die verquollenen Augen blinzelnd der erste Schreck: Wo waren die anderen 60 Teams? Noch 4, 5 verirrte Fahrzeuge und Leute... der Rest hatte sich für die heutige Etappe scheinbar strebermäßig pünktlich abgesetzt.
Nun gut, nach der Katzenwäsche ging es weiter Richtung Westen und durch Turin. Stress stellte sich von alleine ein je näher wir der Stadt kamen. Trotz dreispuriger Straßen scheint das Chaos-Prinzip hier am besten zu funktionieren. Ein Spaß für alle Beifahrer und ein beherzter Biss ins lederne Lenkrad für den Fahrer. Die Besichtigung des Grabtuchs von Turin haben wir ihm dann auch lieber erspart.

Es wurde langsam wieder bergiger im Westen des Landes und als nächstes Stand die Besichtigung der Festung Fenestrelle auf dem Plan. Die größte Festungsanlage Europas und nach der chinesischen Mauer das nächstgrößte Mauerwerk. An diesem Ort hätten wir ehrlicherweise am wenigsten mit so einer enormen Festung gerechnet, entsprechend überrascht und erführchtig fühlt man sich zwischen diesen riesigen Mauern.
Aber viel Zeit blieb uns nicht, wir hatten ja noch einen Pass auf französischer Seite vor uns und es war bereits 16 Uhr.

Also weiter über die Grenze nach Briançon. Von dort über die D902 direkt nach Süden und über den beeindruckenden Col d’Izoard in 2369m Höhe. Ich würde gerne sagen, dass der Ausblick von dort oben so überwältigend war, dass wir die Kälte mit unseren kurzen Hosen und Flip Flops einfach ausgeblendet haben. Aber das wäre halt nur eine dreiste Lüge. Dort oben half weder Bartwuchs noch Dosenbier, die italienische Wärme hatten wir bereits lange hinter uns gelassen.

Tag 4: Monacco, Côte d'Azur und Stress

Es war kalt in der letzten Nacht. So kalt, dass an Schlaf im Zelt fast nicht zu denken war. Eine klirrende, sternenverhangene Nacht überliess uns in einen nicht minder kalten Morgen.
Wir hatten am vorherigen Abend, bereits in Dunkelheit, noch einen stillen Zeltplatz mitten in den französischen Alpen angefahren, auf dem wir dann auch noch eine handvoll anderer Teams trafen.
Dass wir uns an diesem Morgen bereits um 8 Uhr auf den Weg machten sagt jedoch alles: Wir mussten weiter Richtung Süden. Weniger Jacke - mehr kurze Buchse! Wir ahnten jedoch nicht, was uns an diesem Tag erwarten würde...

Durch den Mercantour Nationalpark und den Forêt de Turini immer Richtung Süden. Eine der heutigen Aufgaben hieß "Fahre die Formel 1 Strecke in Monacco ab". Die Aufgabe hätte allerdings treffender "verbringe zwei Stunden mitten in Monacco ohne eine neue Kupplung kaufen zu müssen" heissen sollen. Oder besser noch "verbringe zwei Stunden mitten in Monacco ohne eine neue Kupplung kaufen zu müssen und ohne zu explodieren".
Es war einfach nur der pure Stress. Menschen, Autos, Schritttempo, Hass, Lücken, Gedrängel, keine Navigation... Beim 200. Anfahren stank es nur noch nach Kupplung und wir entschieden, auf die heutige Aufgabe und die Punkte zu verzichten um noch irgendwie als Freunde aus der Situation zu entkommen. Und dazu sei gesagt, dass "Monacco mal eben verlassen" sicherlich auch noch mal eine gute Stunde gedauert hat.

Wir fuhren weiter. Vorbei an Nizza. Vorbei an Cannes. Hauptsache weg.

Irgendwann fuhren wir nur noch entlang der D559 entlang des Mittelmeeres und die Laune entspannte sich wieder beim Ausblick auf das tiefblaue Meer und seiner roten Felsen.
Einen wirklich hervorragenden Zeltplatz haben wir dann am frühen Abend in Calanque d'Anthéor gefunden. Direkt unter einem Viadukt. Zumindest ein bisschen Belohnung für einen Tag, den wir uns hätten sparen können.

Tag 5: Provence, Aix-en-Provence und Agde

Gestärkt von Croissants und Kaffee aus der Stempelpresse fuhren wir heute wieder ins Landesinnere.

Das Highlight bildete am späten Nachmittag das Dorf Les Baux-de-Provence. Bekannt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs, hebt sich das Landschaftsbild hier gerade durch seine schroffen Felsen von der übrigen Provence ab.
Viel Zeit blieb mal wieder nicht, und so durchstreiften wir nur für eine kurze Pause das Dorf und genossen den einzigartigen Ausblick von der Burg und dem Südhang der Alpilles.

Noch ein Bier und eine Olive vom Baum und wieder ins Auto zum Zielort des Tages: Agde.

Tag 6: Carcassone und Andorra

Halbzeit. Und das bedeutete auch: Erstmal ausmisten. Der Fußraum war mittlerweile voll mit leeren Bierdosen, von 10 Ladekabeln waren nur noch zwei zu finden und Müll war sowieso zwischen jeder Ritze.

Wir fuhren weiter von Agde ins Landesinnere über Carcasonne. Leider blieb keine Zeit um hier Pause zu machen und die Festung zu besichtigen. Stattdessen mussten wir direkt weiter Richtung Süden, um mitten in den Pyrenäen die von französischem Staatsgebiet umgebene spanische Exklave Llívia zu finden.

Weiter Richtung Westen und damit über die Landesgrenze war es endlich Zeit für das Tagesziel: Andorra. Die ersten und einzigen Grenzbeamten der gesamten Rallye erwarteten uns, wunken uns allerdings einfach durch, da laut unserer Whatsapp-Gruppe bereits 10 Teams vor uns aufgrund ihres auffälligen Äusseren rausgezogen wurden.

Andorra (Stadt) selbst war schon eine etwas ungewöhnliche Erfahrung. Ein mildes Klima hier mitten in den Bergen, dazu ein Stadtbild wie geleckt, Benzinpreise von ca. 1 Euro und ein Parkhaus, das wie frisch gewachst aussah.
Aufgrund der willkommen niedrigen Besteuerung auf Alkohol liessen wir den Abend stilecht mit Dosenbier im Hotelzimmer ausklingen und wunderten uns noch lange über die niedrige Kriminalitätsrate, das etwas in die Jahre gekommene Hotel und den vielen stilsicheren alten Geländewagen.

Tag 7: Barcelona

Donde esta la castillo? Früh Aufstehen in Andorra stand heute auf dem Plan. So saßen wir fast allein im Frühstücksraum des Hotels und schoben uns abwechselnd süße und salzige Speisen rein um eine gute Grundlage für die kommende Etappe zu haben. Für den Last Action Hero Flipper blieb da leider keine Zeit, denn wir mussten am Automaten noch einige "Kaffee schneiden".

Wir verliessen Andorra um auf der C-14 erstmal immer Richtung Süden zu fahren. Als Zwischenetappe hatten wir uns Cardona gesetzt, um dort die Burg zu besichtigen und eine Pause in Richtung Barcelona einzulegen.

Bei Nieselregen und Nebel erklommen wir den Berg, liefen durch die Bogengänge und genossen trotz beschränkter Sichtweite den Blick auf die im Nebel versunkene Stadt am Fuße des Berges.

Glücklicherweise waren Clemens und Stefan etwas früher am Auto und konnten somit Schlimmeres verhindern: Die Isolierung unserer Zusatzscheinwerfer hatte sich aufgelöst und einen Kurzschluss verursacht, der sich nun durch den Teppich und Dichtungen brannte! Vom Motorraum bis zur Rücksitzbank unter der sich die Batterie befand. Ein beissender Geruch und dicker Qualm liessen schon aus der Ferne erahnen, dass irgendwas nicht stimmte.
Wir hatten wirklich Glück im Unglück, dass nicht Schlimmeres passierte. Der 5er musste nun erstmal ausräuchern und die Zusatzscheinwerfer waren für die restliche Rallye außer Takt.

Nach dem sich der Schock langsam legte ging es weiter nach Barcelona, wo sich auch unsere Tagesaufgabe problemlos erfüllen liess: "Finde die Bunkers del Carmel und genieß den kostenlosen Ausblick auf die Stadt!"
Und trotz des schlechten Wetters und des stressigen Verkehrs war es ein Moment um Runterzukommen und zu bemerken, dass die letzten 6 Stunden nicht völlig spurlos an einem vorbeigegangen waren.

Aber wie es auf der European 5000 nun einmal so ist: Viel Zeit zum Verweilen bleibt einfach nicht. So entschlossen wir uns kurz danach weiter an der Küste Richtung Südwesten zu fahren, um dort in Creixell einen Zeltplatz zu finden, der uns tatsächlich aufnehmen wollte. Tatsächlich? Nun ja, in dieser Region scheinen sich viele familienorientierte Camping-Ressorts zu befinden, dessen Personal bei dem Anblick unseres Rallye-Wagens scheinbar bereits entschied, dass dies nicht der richtige Ort für uns sei. Im Gegenseitigen Interesse.

Mit Camping L'Alba fanden wir dann im Regen aber einen einfachen Zeltplatz, der uns freundlich aufnahm, genug Platz bot, und dessen Gäste sich interessiert und gastfreundlich gaben.

Tag 8: Die spanische Halbwüste verpasst

Nach einem kalten und nassen Abend begrüßte uns der neue Tag immerhin mit Sonnenschein und Croissants. Und so waren wir um 10 Uhr bereit zur Abfahrt ins Landesinnere und damit einem Abschnitt, der für mich mit das Highlight der Rallye werden sollte: Die spanische Halbwüste Bardenas Reales.

Aber die Überschrift verrät es schon: Wir fanden sie nicht. Das mag sich profan anhören, aber wenn man über Kilometer, quer über Feldwege ohne Navigation und ordentlicher Karte fährt, nimmt man sogar zwei Kilometer vorm Ziel eine falsche Abzweigung nach rechts und befindet sich die ganze Zeit neben dem gewünschten Ort ohne es zu wissen.
Während über die Whatsapp-Gruppe bereits die ersten begeisterten Fotos eintrafen, grübelten wir bei der nächsten Dose Bier immer noch, wie denn das Ziel heissen könnte und wo es sich befinden mag...

Aber nichtsdestotrotz, wir hatten unsere eigene Wüstenerfahrung während wir über die Feldwege schossen, über Stock und Stein, durch meterlange Pfützen unter der brennenden Sonne. Sich nicht unter Druck setzen und genießen was man hat ging als Taktik auch heute auf.

Bei frostigen Temperaturen kamen wir an diesem Abend auf dem Campinplatz Camping Urrobi nahe der französischen Grenze unter und waren froh, kein Zelt aufbauen zu müssen sondern eine kleine Hütte für diese Nacht zu mieten.

Tag 9: Donostia-San Sebastián

Ja, wir hatten einen Kater an diesem Morgen. Und ja, die ersten Stunden im Auto waren heute wirklich kein Vergnügen.
Wir folgten der Straße Richtung Süden nach Pamplona und von dort wieder Richtung Norden, denn unsere heutige Zwischenetappe war San Sebastian am Atlantik.

Wir parkten direkt an der Promenade und trafen zwei weitere Rallye-Teams, die ähnlich wie wir, den Monte Igueldo erklimmen wollten um von dort oben den Blick auf die Stadt und die Bucht zu genießen.
Nach dem Abstieg gingen wir noch ein paar Meter in die Stadt, denn was gehört sich nach einem ordentlichen Kater? Richtig, ein schmieriger Burger mit vor Fett triefenden Pommes und Cola!

Die Etappe zum heutigen Zeltplatz hielten wir danach entsprechend kurz, da auch das Lüften des Autos nicht mehr viel bringen wollte.

Einen zumindest von der Aussicht sehr empfehlensweren Zeltplatz fanden wir mit Camping Faro De Higuer direkt an der Klippe zum Atlantik. Die Sanitäranlagen glichen zwar eher einer Tropfsteinhöhle, der Wind peitschte und später am Abend regnete es dazu auch noch ordentlich, aber immerhin blieb Zeit für ein großes Lagerfeuer und einen tollen Blick auf das Meer und die Klippen.

Tag 10: Dun du pilat, Bordeaux, Château!

Bei Kälte und Regen aus dem Zelt schälen... Eigentlich nichts neues auf diesem Roadtrip, aber trotzdem jedes mal ein Kampf.

Wir verliessen die Klippen, mit nassen Zelten im Gepäck, und liessen Spanien hinter uns. Die heutige Zwischenetappe war die Dune du Pilat bei Arcachon in Frankreich.
Nach wenigen Stunden unter grauem Himmel mit Nieselregen, riss der Himmel im Wald vor der Düne endlich auf, und wir konnten bei bestem Sonnenschein die 110m hohe, 500m breite und 2,7km lange Düne erklimmen. Über eine Treppe. Wenn man schon nicht mit dem Auto rauf kann, dann immerhin bequem über befestigte Wege.
Ein atemberaubender Ausblick erwartete uns dort oben, während wir auf 18.000 Jahren Naturgeschichte standen. Auf der einen Seite Wald so weit das Auge reichte und auf der anderen Seite der Atlantik.
Kurzer Blick auf die Uhr: Verdammt, wir müssen schon wieder weiter. Aber als Abstieg entschieden wir uns für stumpfes Runterrennen von der Düne. Ähnlich der amerikanischen Kinder neben uns, die dies jedoch deutlich lauter genossen.

Von hier ging es ein Stück nach Osten ins Landesinnere in die Region Bordeaux, um kurz hinter selbiger Stadt am heutigen Abend auf einem herschafftlichen Anwesen mit den anderen Rallye-Teams gemeinsam zu speisen und dem Alkohol bei Livemusik zu frönen.
Der Abend entwickelte sich noch zu meinem persönlichen Highlight, als die anwesende Band eine Akustikversion von Monster Magnets Spacelord spielte (hier zum Original). Hell Yeah!

Tag 11: Nantes und Saint Malo

Die vermutlich längste Etappe der Rallye erwartete uns: Über 550 Kilometer über Land. Die Stopps unterwegs für die "Tausch deinen Beifahrer gegen einen anderen Team-Beifahrer" oder die "Setz ein Huhn hinter dein Steuer" Aufgaben führe ich lieber nicht genauer aus... der Tag war auch so lang genug.

Einen wunderbaren Zwischenstopp hatten wir jedoch um 17 Uhr in Nantes, genauer gesagt bei den Les Machines de l’île. Ein Austellungsprojekt im Hafen Nantes, das aus fantasievollen Maschinen mit Steampunk Elementen besteht. Im Mittelpunkt steht der 40 Tonnen schwere und 12 Meter hohe Grand Eléphant, voll beweglich mit Platz für 35 Personen. Definitiv einen Besuch wert... wenn die Zeit nicht drängt.

Also weiter Richtung Norden, ein Stück durch die menschenleere Bretagne während die Sonne langsam untergeht.
Spät am Abend, im Dunkeln, haben wir uns dann im wunderschönen Saint Malo für ein Zimmer mit Küche entschieden. 9 Stunden im Auto haben ihre Spuren hinterlassen, und so gab es an diesem Abend nur noch ein Stück Käse und eine Terrine vor dem wohlverdienten Schlaf.

Tag 12: Omaha Beach und Lille

Kurzer Blick auf die Uhr: 9. Ok. Los geht's. Die gestrige Tour war schon lang, und heute? Na gut, noch mal Kilometer machen, es steht zum Glück nicht so viel auf der Tagesordnung mit Ausnahme von Omaha Beach. Aber auch hier sind wir nur einen kurzen Augenblick... Füße vertreten, Geschichte lesen, Möwen erschrecken...

Erst spät am Abend, nach langer Parkplatzsuche, können wir den Wagen endlich um 21:30 Uhr in einer kleinen Seitenstraße abstellen und das Hostel mitten in der Altstadt aufsuchen.

Schnell alles halbwegs Nötige in die Tasche werfen und los.

Das Hostel Gastama hat es uns aber sofort angetan. Es ist gemütlich, die Theke bietet ein reichhaltiges Bierangebot und gerade die Gesellschaft vieler anderer gut gelaunter Menschen um uns herum lässt uns spüren, wie abwechslungsreich der Trip doch eigentlich war. Dieses Treiben hier im Hostel... zuvor 9 Stunden zu dritt im Auto... am Tag davor ebenfalls... und schon beginnt man, an diesem letzten Abend etwas schwermütig über die vergangenen zwei Wochen nachzudenken. Also lieber noch eine Runde bestellen und den letzten Abend genießen! "Garçon! Bière pour les Allemands s'il vous plait!"

Tag 13: Zieleinfahrt Amsterdam

Frühstück im Hostel. Ein leichter Kater. Die Frisur sitzt, die Gesichtszüge noch nicht. Ist das Auto noch da? War das gestern Abend auch schon so weit vom Auto? Schon 9:30 Uhr? Wir müssen los... nach Amsterdam.

Letzte bzw. vorletzte Aufgabe war für die letzte Etappe, alle Beweisfotos für das Roadbook auszudrucken und sie in selbiges zu kleben um es bei der Zieleinfahrt zur Punkteberechnung abzugeben.

So kamen wir gegen 14 Uhr in Amsterdam an und mussten uns erstmal zu einer Drogerie durchkämpfen um dort die Fotos auszudrucken. Natürlich musste der Automat nach der ersten Berührung erstmal ein Systemupdate durchführen und gemütlich neustarten. Dann sollte es aber endlich klappen. Also mit allen Fotos wieder zurück ins Auto, Prittstift scharf gemacht und geklebt was das Zeug hält.

So kamen wir dann pünktlich um  16:30 Uhr im Hafen von Amsterdam an, wo auch schon die ersten Rallye-Teams auf uns warteteten und uns in Empfang nahmen.
Freunde und Familienmitglieder der anderen Teams waren Vorort, und wir konnten im Pllek noch eine Kleinigkeit essen und trinken, bevor es zur Siegerehrung kam.

Es war beruhigend zu sehen, dass wie vermutet jedes Team die Rallye für sich interpretiert. Während die einen stark auf die Punktesammlung aus waren, gab es genügend Teams, welche die Aufgaben eher sporadisch erfüllten oder so, wie sie auf dem Weg lagen.
Wir, TeamTeamTurboBier, lagen im guten Mittelfeld was unsere Punkte anging. Also genau so, wie wir es von Anfang an planten.

Gegen 20 Uhr haben wir uns dann aber doch von unseren neuen Bekanntschaften verabschiedet und traten erst die Reise nach Essen an, wo Clemens und Stefan den Zug nach Hannover nahmen und von wo ich mit dem Rallyewagen weiter nach Bonn fuhr. Pünktlich um 24 Uhr stand ich dann ebenfalls vor der Wohnungstür.


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